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Zur Zeit des Pastor Morschels (Pastor in Gressenich ab 1750) bebte 1755/56 in unserer Heimat die Erde. Der Hehlrather Pastor Lothmanns hat in
seinem Tagebuch notiert:” 1755: Am 28. Oktober nachmittags um ungefaehr 4 Uhr ist die erste Erdbebung gespuert worden. Die Nacht darauf um 12 1/4 sind drei starke Erschuetterungen gewesen. 1756: Den 18. Februar um 8 Uhr
morgens war eine solch starke Erschuetterung, dass viele Gebaeude und Kamine verfallen sind. Ich stellte mir mit anderen vor, als waere der letzte Tag vorhanden. 1760, am Fest des hl. Sebastian, war wieder ein so starkes
Erdbeben wie 1756.” (Eschweiler Beitraege I 1 S. 149 f.) Auch der Gressenicher Pastor
Mathias Morschel hat ueber das Erdbeben berichtet:” Am 26. Dezember 1755, auf St. Stephans-Tag, um 4 Uhr nachmittags, hat man zum ersten Mal das Erdbeben verspuert, wodurch viele Schornsteine heruntergefallen sind. Taeglich hat
das Erdbeben angehalten, bis zum 18. Februar 1756. Da hat es morgens um 8 Uhr ein so starkes Beben gegeben, dass es zwei Vaterunsern und Gegruessetseistdumaria angehalten hat. Wir meinten alle unter den Haeusern begraben zu
werden. Am 2. Juni nachts um ein Uhr haben wir wiederum ein starkes Erdbeben gehabt von zwei Vaterunsern und Gegruessetseistdumaria, so dass alle Gebaeude gesprungen sind, auf und ab mit
Sturm und Donnerwolken, und es hat auch geblitzt mit Schwefelgestank vermischt. Diese Erdbeben sind bald mit Sturm, bald mit Regen, bald mit lindem, gutem Wetter
gekommen und mit allen Winden und Geschossen in die Luft wie die schwerste Kanonen. Und die Erde hat sich aufgehoben. Und es hat am 18. Februar eine Erdoeffnung gegeben oberhalb von Zweifall bei Vossenack, wo ein Berg mit zwei
Eichenbaeumen 40 Schritt weggeworfen sind mit der Erde. Und diese Erdbeben haben monatlich mit vollem Licht und oft mit jungem Licht angefangen und bis Mai angedauert.” (Eschweiler Beitraege, II S. 175) Nach dem grossen Beben von 1755 wurden in die Kirche von Gressenich
Eisenstangen zur Stabilisierung eingebaut. Das Erdbeben hatte die Kirche baufaellig gemacht. Es richtete auch an den Pfarrkirchen von Eschweiler und Nideggen Schaeden an. Der Vichter Pastor Heck berichtete darueber: 18.2.1756: ”Unsere Kirche auf der Vicht bekam oben im Gewoelbe Baerste, und auf dem Chore barsten die Seitenmauern durch und durch, und zu Gressenich, Nothberg und Eschweiler barsten die Kirchen oben im Gewoelbe fast ganz”. Die Bewohner von Gressenich gelobten damals eine jaehrliche Prozession zu den Fussfaellen am Sonntag nach dem Fest der Sieben Schmerzen Mariae im September. Die Fussfaelle sind an der Strasse auf Koettenich zu gebaut. Sie bilden die Faelle Jesu Christi auf seinem Leidensweg nach und sind die
aelteste Form des Kreuzwegs. Ihr Ursprung reicht in die Zeit der Kreuzzuege zurueck. Sie stellen dar: 1. Die Todesangst Jesu am Oelberg, 2. Die Geisselung, 3. Die Dornenkroenung, 4. Das
Todesurteil durch Pilatus, 5. Jesus begegnet seiner Mutter auf dem Kreuzweg, 6. Veronika reicht Jesu das Schweisstuch dar, 7. Das Todesurteil durch Pilatus.
Von den 7 Fussfaellen sind die 7 Schmerzen Mariae zu unterscheiden, die nur zum Teil mit den Fussfaellen identisch sind: 1. Weissagung Simeons, 2. Flucht nach Aegypten, 3. Verlust des Kindes in Jerusalem, 4.
Begegnung auf dem Kreuzweg, 5. Maria unter dem Kreuz, 6.Leichnam Jesu auf dem Schoss
seiner Mutter, 7.Grablegung Die Fussfaelle waren in die Totenbraeuche des Mittelalters integriert. Liegt ein Nachbar im Sterben, da uert der Todeskampf ,lange oder auch nach dem Tode vor dem Begraebnis beten meist 7
unbescholtene Maedchen, 7 (Schul)kinder, eine aeltere Frau mit 7 Kindern, bei maennlichen Toten 7 Knaben oder 4 Maedchen und 3 Knaben, die oft aus der
Schulstunde abberufen werden, die 7 Fussfaelle. Damit bezeichnet man heute meist 7 Kreuze an den Dorfstrassen oder in der Flur, an wenigen Stellen noch Reliefs mit
Szenen aus dem Leiden Jesu, eben den sogenannten faellen, oder mit der Darstellung der 7 Schmerzen Mariens. Dort, wo man noch die ausfuehrliche Form dieses Ganges kennt, ziehen die Beterinnen vom Bett des Sterbenden aus. Nach
einem Gebet reichen sie dem Sterbenden die Hand, erhalten von ihm Opfergeld und sagen etwa:” Ich hoellen Uech durch die sewwen Fossfaell Uer Leed su vell af, als
ich kann”. Die Beterinnen uebernehmen also gewissermassen das Leid des Sterbenden und uebertragen es auf den leidenden Christus. Danach gehen in
strenger Ordnung ein Kind hinter dem anderen im Gaensemarsch, ohne sich stoeren zu lassen, ohne sich umzusehen, betend ueber die Strasse zu den Fussfaellen. Unterwegs machen ihnen die
Entgegenkommenden den Weg frei, die Fuhrwerke halten am Strassenrand an, Kinder werden zur Seite getrieben, und alle, denen die Maedchen begegnen, bleiben einen Augenblick mit betend stehen. Auf dem
Weg beten sie den Schmerzhaften Rosenkranz, an den Fussfaellen, vielleicht mit ausgebreiteten Armen, die 5 Wunden oder besonders oft 7 Vaterunser. Auch bestimmte Gebete zu den Sieben Schmerzen
Mariens kommen vor. Vom letzten Aufenthalt, meist in der Kirche, kehren sie in gleicher Weise wie auf dem Hinweg ins Sterbehaus, manchmal sogar zum Sterbenden zurueck, beten mit dem Sterbenden die 5
Wunden. Danach erhalten sie als Belohnung Kaffee und Stuten oder sogar einen suessen Schnaps oder werden zum Leichenmal eingeladen. Der armen Frau, die die Kinder begleitet, schenkt man ein Brot.
Nach sehr vielen Zeugnissen erhalten die Kinder Geld. Die Teilnehmerinnen beten:” Herr, gib dem Kranken am Leib, was ihm nuetzlich und was ihm selig ist, nimm ab, was ihm schaedlich ist.” Den Teilnehmern der Gressenicher Wallfahrt wird das letztere Gebet bekannt vorkommen: Sie beten es bis auf den heutigen Tag als Rosenkranzzusatz.
Der obenstehende Text wurde wie geschrieben aus der Ortschronik von Dr.Willi Frentz uebernommen. Fuer die
Berechtigung danke ich seiner lieben Frau Ursel.
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